Presseinformation Nr. 124 vom 17. September 2008
Ein sauberer See ist besser für den Klimawandel gerüstet
Die Deutsche Gesellschaft für Limnologie (DGL) tagt vom 22. bis 26. September an der Universität Konstanz – Pressetermin am Dienstag, 23. September
„Es ist gut, dass der Bodensee heute wieder so sauber ist“, sagt Prof. Karl-Otto Rothhaupt, Organisator der DGL-Jahrestagung 2008 und Lehrstuhlinhaber am Limnologischen Institut der Universität Konstanz. „Der sich abzeichnende Klimawandel belastet den See in ähnlicher Weise wie vor etwa 25 Jahren die hohe Nährstoffbelastung. Wäre beides zeitlich zusammen gefallen, hätte dies zum viel beschworenen ‚Umkippen’ des Sees führen können.“
Die Auswirkungen von Klimaänderungen auf Gewässer stellen eines von 25 Themen, mit denen sich die Jahrestagung 2008 der Deutschen Gesellschaft für Limnologie beschäftigt. Die Limnologie befasst sich mit der Ökologie von Binnengewässern. Die diesjährige Jahrestagung findet vom 22. bis 26. September an der Universität Konstanz statt. Sie wird am Montag, 22. September, um 11 Uhr im Audimax der Universität Konstanz eröffnet. Am Abend des Eröffnungstages findet der Abendvortrag mit Prof. Robert Arlinghaus vom Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei an der Humboldt-Universität zu Berlin statt. Er spricht ab 18.30 Uhr in Hörsaal R 711 über „Der unterschätzte Angler: biologische, soziale und ökonomische Aspekte“ Journalisten haben zudem am Dienstag, 23. September, ab 14 Uhr im Konferenzbüro im Audimax-Bauteil der Universität Konstanz die Gelegenheit, mit Experten zu sprechen.
Die Jahrestagung erreicht in diesem Jahr eine Beteiligung von 450 Teilnehmern, die vorwiegend aus Deutschland, aber auch aus der Schweiz, Österreich und Brasilien kommen. In über 250 Vorträgen, 80 Postern und einem Vortragswettbewerb für Nachwuchsforscher ist die gesamte Bandbreite der deutschen Gewässerforschung und des Gewässerschutzes vertreten. Die Themen reichen von Fischökologie und ökologischer Modellierung über die durch die Europäische Wasserrahmenrichtlinie und FFH-Richtlinie, eine Naturschutzrichtlinie der EU, vorgeschriebenen Renaturierungsmaßnahmen von Fließgewässern und Seen bis zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Gewässerökosysteme. Die DGL wurde 1984 mit dem Ziel gegründet, ökologische Zusammenhänge stärker in der Wasserwirtschaft und im Gewässerschutz zu beachten.
Die Auswirkungen von Klimaänderungen auf Gewässerökosysteme werden gegenwärtig in einem Schwerpunktprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft untersucht, an dem auch Wissenschaftler vom Limnologischen Institut der Universität Konstanz beteiligt sind. Die Wissenschaftler erforschen die äußerst kompliziert gesteuerten ökologischen Prozesse in den Nahrungsnetzen und Stoffflüssen von Gewässern und die Frage, welche Auswirkungen der Klimawandel auf diese Prozesse hat.
„Für den Fortpflanzungserfolg der Blaufelchen und für das natürliche Funktionieren der Stoffumsetzungsprozesse am Seegrund ist es wichtig, dass der Bodensee ein sauerstoffreiches Tiefenwasser hat“, erläutert Karl-Otto Rothhaupt. Abbauprozesse zehren am Sauerstoffgehalt des Tiefenwassers, während neuer Sauerstoff nur durch Mischungsprozesse und damit einhergehender Tiefenwassererneuerung nachgeliefert wird. Die sauerstoffzehrenden Abbauprozesse hängen von der Planktonproduktion des Sees ab und waren deshalb in den nährstoffreichen 70er und 80er Jahren wesentlich stärker als heute.
Die Tiefenwassererneuerung wird vom Klimageschehen beeinflusst. In milden Wintern findet nur eine unzureichende Tiefenwassererneuerung statt, und der See geht mit einer Sauerstoffschuld in die nächste Wachstumssaison. Nach Messungen des Instituts für Seenforschung in Langenargen fand im milden Winter 2006/2007 die schwächste Tiefenwassererneuerung im Bodensee statt, die während der letzten 40 Jahre beobachtet wurde. Es ist zu erwarten, dass bei einer zukünftigen Klimaerwärmung ähnliche milde Winter noch öfter auftreten.
Informationen zur Jahrestagung 2008 der Deutschen Gesellschaft für Limnologie e.V. gibt es im Internet unter http://www.dgl-ev.de sowie unter http://www.uni-konstanz.de/limnologie/dgl08/.
Weitere Informationen:
Prof. Karl-Otto Rothhaupt
Tel: 07531/88 – 3530 und während der Tagung unter 0173/4687593
Prof. Elisabeth I. Meyer (Präsidentin der DGL)
Tel: 0251/83 - 23881
Dr. Ralf Köhler (für Pressekontakte verantwortliches Präsidiumsmitglied der DGL)
Tel.: 033201/442 – 649 und während der Tagung unter: 0178/1637624


