Presseinformation Nr. 116 vom 28. August 2008
Zu Ehren von Hubert Markl
Konferenz zum Thema Kommunikation und Kooperation von Tieren an der Universität Konstanz mit Festvortrag von Prof. Peter Berthold über den Vogelzug
Prof. Hubert Markl zählt zu den bedeutendsten Professoren nicht nur der Universität Konstanz, sondern ganz Deutschlands. Anlässlich des 70. Geburtstages des emeritierten Biologen wird vom 4. bis 7. September ein internationales Symposium mit dem Titel „Communication and cooperation – from genes to behaviour“ an der Universität Konstanz stattfinden. Im Zentrum der Konferenz steht die Kommunikation und Kooperation von Tieren, ein Gebiet auf dem Hubert Markl entscheidende Beiträge geleistet hat. Seine Forschungsschwerpunkte erstrecken sich auch auf die Gebiete der Sinnesphysiologie und des Sozialverhaltens von Tieren sowie auf die Themenbereiche Umweltschutz und Evolutionsbiologie.
Den einführenden Festvortrag hält Prof. Peter Berthold zum Thema „Faszinierender Vogelzug: Phänomene, Steuerung und Änderungen durch die Klimaerwärmung“. Dieser Vortrag verspricht so interessant wie unterhaltsam zu werden und ist öffentlich für alle interessierten Zuhörer aus der Universität und der Stadt. Er findet am Donnerstag, 4. September, um 17.15 Uhr im Raum R 712 an der Universität Konstanz statt. Berthold ist berühmt für seine Forschungen zum Vogelzug und auch ein ausgewiesener Experte über Artenschutz und Vogelkunde. Er war bis zum Jahre 2005 Leiter der Vogelwarte in Radolfzell, einer Zweigstelle des Max-Planck-Instituts für Ornithologie (Vogelkunde) in Seewiesen.
„Vögel sind die attraktivste Gruppe von Lebewesen, die wir kennen“, so Peter Berthold, „und besonders faszinieren ihre ausgeprägten Wanderungen.“ Jahrhunderte lange Beobachtung und modernste Technik der letzten Jahrzehnte vermitteln inzwischen ein recht umfassendes Bild des Vogelzuges. In seinem Vortrag wird der Wissenschaftler auf Vorstellungen zur Evolution der Vogelwanderung von Aristoteles bis zur Gegenwart eingehen. Die Steuerung des Zuges beruht wesentlich auf genetisch fixierten Raum-Zeit-Programmen, die durch sehr schnelle Selektions- und Mikroevolutionsvorgänge angepasst werden können. Berthold wird eine neue Vogelzug-Theorie beschreiben und auf die Änderungen des Zugverhaltens in Verbindung mit der globalen Klimaerwärmung eingehen. Außerdem wird er seine Prognosen über die Auswirkungen des Klimawandels für die nächsten Jahrzehnte vorstellen. Die Ergebnisse der über die Jahrhunderte angestellten Forschungen und der experimentellen Studien der letzten 25 Jahre machen in ihrer Verbindung Vogelzug zu einem Modell moderner Evolutionsforschung.
Hubert Markl, zu dessen Ehren das Symposium am ersten Septemberwochenende stattfindet, war von 1974 bis 2005 Professor für Zoologie und Verhaltensphysiologie an der Universität Konstanz. Er studierte in München Biologie, Chemie und Geographie und promovierte im Jahre 1962 im Fach Zoologie. Bereits in seinem ersten Jahr als Universitätsprofessor wurde er mit 36 Jahren in den akademischen Rat der Deutschen Forschungsgemeinschaft gewählt, zu deren Vorsitzenden er 1986 ernannt wurde. Außerdem war er Vizepräsident der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und von 1996 bis 2002 Präsident der Max-Planck-Gesellschaft. Kaum ein anderer deutscher Wissenschaftler hat so viele Auszeichnungen, Medaillen, Preise, Ehrendoktorwürden und Ehrenringe erhalten. Besonderes Engagement zeigte der Konstanzer Forscher auch bei der Aufarbeitung der Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, der Vorläuferorganisation der Max-Planck-Gesellschaft, die sich während des Dritten Reiches an der nationalsozialistischen Rassenforschung beteiligt hatte.


